EnterTechnikerin Felicitas im Praktikum bei First Sensor

© LIFE

Mein Praktikum bei First Sensor

Es war der erste September, als mir mitgeteilt wurde, dass ich ab sofort jeden Tag außer am Wochenende um 6 Uhr beim First Sensor Standort Weißensee auf der Matte stehen sollte. Das hieß im Umkehrschluss für mich: Ab sofort ist für die sture Nachteule 3:40 Uhr „Aus dem Bett springen“ angesagt. Ich kann mich noch daran erinnern, wie geschockt ich die Rückfahrt angetreten habe, als wäre es gestern gewesen. Während der anderthalbstündigen Fahrt musste ich via WhatsApp mein Leid von der Seele schreiben. Jede angeschriebene Person hat mir ihr Beileid bekundet. Ich konnte mir damals nicht im Traum vorstellen, wie ich das bitte auf die Beine stellen sollte. Aber ich habe es überlebt und wurde überrascht, wie einfach es mir in der Praxis dann doch gefallen ist.

Mein Tagesablauf begann damit, dass ich kurz vor 6 ankam, mir mit meinem Transponder Zugang ins Gebäude verschaffte, mich mit ihm einloggte und der Küche einen Gewohnheitsbesuch abstattete. In dem 4. Kühlschrank von links verstaute ich mein mitgebrachtes Mittagessen und ließ den Vollautomaten für mich arbeiten. Hatte er seine Heldentat vollbracht, konnte ich mir den obligatorischen Kaffee einflößen, der mich für die nächsten Stunden mit der notwendigen Klarheit ausstatten sollte. Als ich schließlich den ganzen Latte macchiato intus hatte, begab ich mich ohne Umwege in die Damen-Umkleide, um mich in die Reinraumkleidung zu quetschen. Um nach innen zu gelangen, musste ich jedoch vorerst den sogenannten Situp überwinden. Mit ESD-Schuhen an den Fußen und zugeknöpften Reinraumkittel führte der Weg mich hinter der ersten Tür zur alltäglichen Impedanzmessung. Diese hoffentlich nach dem ersten Anlauf passiert, ging es für mich dann ab zur Schleuse in die höhere Reinheitsstufe, wo die Produktion schon ungeduldig auf mich wartete. An meinem Haken mit der Nummer 67 befindet sich meinen Ganzkörper-Schutzoverall. Im Spiegel checkte ich, ob die Maske und das Haarnetz richtig sitzen. (Um in die Pause zu gehen und meinen Hunger zu stillen, musste das gleiche übrigens nochmal nur in umgekehrter Reihenfolge vollzogen werden…).

Routinemäßig fragte ich Doro, was heute anstehe und atmete jedes Mal auf, wenn es nicht das Verpacken der Transmitter war. Diese monotone Arbeit ist der „Horror“ und nur zu ertragen mit Kopfhörern und der richtigen Musik. Aber jede/r ist mal an der Reihe – selbst der Abteilungsleiter.

Innerhalb der 4 Wochen durfte ich zum Glück auch noch in andere Produktionsprozesse hineinschnuppern. Oft spielte dabei das Mikroskop eine überaus entscheidende Rolle, sei es beim Verkleben, Vereinzeln, Vergießen, Folieren, Gehäusemontage, Magazinieren, Nachsetzen, Messen, Reinigen, Stecken, Prüfen und Kontrollieren. Durch den Vergrößerungsapparat zu blicken ist auf Dauer zugegebenermaßen anstrengend…

EnterTechnikerin Felicitas im Praktikum bei First Sensor

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Nach dem Tag der deutschen Einheit kam es zum Schichtwechsel: Mit der Frühschicht war nun Schluss – endlich wieder zu menschenwürdigen Zeiten aufstehen. Zwar bedeutete dies auch, dass ich nicht mehr um 14:30 Uhr Feierabend hatte, aber da besaß ich kein Mitspracherecht. Fortan hatte ich aber ein eigenes Projekt, den 3D-Druck des Flashforge Guider II zu optimieren. Mir wurde ein eigener Laptop zur Verfügung gestellt und die Arbeit konnte beginnen. Ich veränderte die Slicereinstellungen, nahm diese in meine Exceltabelle auf und wartete gespannt auf das Druckergebnis.

EnterTechnikerin Felicitas im Praktikum bei First Sensor

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Während der vielen Leerlaufzeiten eignete ich mir die Programmiersprache Python an, um später mit ihrer Hilfe Daten plotten zu können. Die zweieinhalb Wochen sind wie im Fluge vergangen.

Bevor ich mich in den Urlaub verabschiedete, konnte zum Glück noch 2 Tage den neu angeschafften 3D-Drucker ausprobieren. Das hat er unter anderen ausgespuckt:

EnterTechnikerin Felicitas im Praktikum bei First Sensor

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Um mich in aller Würde zu verabschieden, habe gleich den Cookie-Cutter einem Praxistest unterzogen:

EnterTechnikerin Felicitas im Praktikum bei First Sensor

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Nach meinem Urlaub startete ich mit frischem und noch unverbrauchtem Eifer in der letzten Abteilung: Prozess- und Verfahrenstechnik. Allerdings war schnell klar, dass ein solcher Bürojob nicht für mich infrage kommt. Es hat mich erstaunt, dass ich mich fortan um Arbeit bemühen musste…, wenn es mal keine gab, lernte ich weiter 10 Finger-Tippen – das ist auf längere Sicht gesehen ungemein praktisch.

Neben der Konvertierung von obsoleten Dokumenten ins TE-Design, habe ich eine Anlagenanweisung für eine Hand-Knie-Hebel-Presse geschrieben, auf Grundlage von einer kurzen Erklärung und einem bereitgestellten Schauobjekt. Darauf folgte die Aktualisierung der Prozessanweisung für eine Sensorreihe und ein Tagesausflug in die Q. (Obwohl es so ausgesprochen wird wie das weibliche Rind steht der einzelne Buchstabe für die „Qualitätskontrolle“😉).

EnterTechnikerin Felicitas im Praktikum bei First Sensor

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Zwischendurch ging ich auch bei Reparaturarbeiten mit. Einmal ist beispielsweise die Sicherung von dem Lüfter des einen Reflow-Ofens geflogen, ein anderes Mal funktionierte die UV-Strahler zur Aushärtung der UV-Kleber nicht optimal. Auch durfte ich SMD-Bauteile händisch löten; mithilfe eines Schaltbildes entstand ein ESD-Event-Detector und mehrere Ampeln.

Zum Abschluss bekam ich ein Projekt an die Hand, bei dem ich unterschiedliche Label-Material-Kombinationen auf ihre Beständigkeit hin untersucht habe. Beim versehentlichen Vergessen, die Label vor dem Durchlaufen des Reflowofens anzubringen, können diese schließlich durch den nachgehenden Waschvorgang ihren Aufdruck verlieren. Dies ist zwar selten, sollte aber wenn möglich keine nachhaltigen Konsequenzen mit sich ziehen.

Nach Übergabe aller Dokumente und firmeneigenen Geräte war mein 3-monatiges Praktikum bei First Sensor offiziell vorbei. Das Ende ist indes der Anfang vom nächsten.

Mein persönliches Fazit:

Aufgrund der allgemeinen wirtschaftlichen Lage spürte ich während meines Praktikums eine gewisse Unsicherheit in der Belegschaft. Nichtsdestotrotz haben die Menschen, die am Standort alles am Laufen halten, sich ihre Freundlichkeit bewahrt.

Monotone Arbeiten sind absolut nicht mein Ding, auch pure Büroarbeit nicht. Dagegen gehe ich bei Untersuchungs-/Entwicklungsprojekten richtig auf, lerne mir gerne selbstständig etwas an. Das richtige Verhältnis aus Praxis und Theorie ist dabei entscheidend.

Auf Dauer merkt man, dass die viele Rumfahrerei erheblich die eigene Lebensqualität beeinträchtigt. Eine Hochrechnung ergibt, dass wenn ich für 20 Jahre jeden Tag anderthalb Stunden zur Arbeit hin- und danach wieder zurückfahre, ich ganze 1,7 Jahre meines Lebens in der Bahn verbracht hätte – Gesetz dem unwahrscheinlichen Fall, dass ich niemals krank werde, nicht ausziehe und auf den Fahrplan der Bahn durchweg Verlass ist. Schlaf braucht man, aber die Fahrerei kann man sich sparen.